Besuch in Amsterdam – Vorbereitung auf den Entschlafenengottesdienst

Am Samstag, den 1. November 2014, unternahmen die Jugendlichen und Konfirmanden der Gemeinde Lünen zusammen mit ihren Betreuern einen Ausflug in die niederländische Hauptstadt Amsterdam, um sich auf den Entschlafenengottesdienst im November vorzubereiten, welcher am nächsten Tag stattfand. Am frühen Samstagmorgen trafen sich die 32 Teilnehmer an der Kirche in Lünen, um gemeinsam mit einem Reisebus, der durch verschiedene Jugendaktivitäten wie z.B. dem Car-Wash-Tag, (wir berichteten) finanziert werden konnte, nach Amsterdam zu fahren. In Amsterdam sollte unter anderem das “Anne Frank Museum” besucht werden, um einen Eindruck über den zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen Holocaust zu erlangen.
Vorbereitend dazu wurde den Teilnehmer auf der Busfahrt eine kurze geschichtlichen Einführung zum Thema “Holocaust” und zweiter Weltkrieg gegeben und anschließend ein zum Thema passender Film gezeigt, um die Einfachheit der Manipulation von Menschen, insbesondere während des zweiten Weltkriegs zu veranschaulichen, und den damit verbundenen Identitätsverlust der Menschen zu erklären, der zu den schrecklichen Ereignissen des zweiten Weltkriegs führte.

Nach einem Gruppenfoto am Hauptbahnhof von Amsterdam, ging es gemeinsam zu Fuß zum Anne-Frank Museum. Anne Frank war ein deutsch-jüdisches Mädchen, welches zusammen mit ihrer Familie nach Holland flüchtete, um der antijüdischen Politik Hitlers zu entgehen. Während sich die Familie im Hinterbau eines Hauses versteckte, schilderte Anne Frank in ihrem Tagebuch ihre Eindrücke und Erlebnisse während dieser Zeit. Dieses Tagebuch wurde nach ihrem Tod von ihrem Vater veröffentlich und weltbekannt, da es den Holocaust von einer ganz anderen, zugleich aber auch erschreckenden und beängstigenden Seite zeigt.
Das Museum, welches sich im ehemaligen Haus und Hinterhaus des Verstecks befindet, führt durch die einzelnen Räume in denen sich die Familie Frank versteckte. So geht man zum Beispiel durch den ehemaligen “Geheimgang” in das Hinterhaus, wo sich das Versteck befand. Dabei beinhalten einige Räume noch originale Ausstattungsstücke, wie Möbel, Poster oder Ähnlichem. Zu damaliger Zeit durfte die Familie Frank tagsüber keine Vorhänge öffnen, um nicht erkannt und gefunden zu werden. Auch heute sind sämtliche Fenster abgedunkelt. Begleitet wird man durch das Museum von Zitaten der Anne Frank aus ihrem Tagebuch, Interviews mit Zeitzeugen, die im direkten Kontakt zur Familie Frank standen, Filmbeiträgen und Originalaufnahmen, die den Holocaust vertiefen.
Für die Jugendlichen war es ein beeindruckendes, bewegendes aber auch sehr bedrückendes Erlebnis, denn im Museum spürte man jene ungemütliche Atmosphäre, welcher die Bewohner jederzeit ausgesetzt war.
Nachdem das Museum erkundet war, machten sich die Teilnehmer bei wolkenlosem Himmel und strahlendem Sonnenschein in kleinen Gruppen selbständig mit der Stadt Amsterdam bekannt. Man aß die ein oder andere holländische Spezialität und ließ die Erlebnisse Revue passieren, bevor es auf die gemeinsame Rückreise ging.
Nach Ankunft an der Kirche in Lünen wurden die jungen Christen von Gemeindevorsteher Jörg Lohrmann in den Kirchensaal eingeladen. Dort wurde der Tag mit all seinen Eindrücken noch einmal vom Vorsteher zusammengefasst, der unter anderem auf zwei Dinge aufmerksam machte: Zum einen solle man nicht nur der Opfer gedenken, die während des Holocaust umkamen, sondern auch für die Täter eintreten, die als Teil der Masse ihre Identität und eigene Hemmschwelle verloren haben, und nicht immer im eigenen Interesse handeln konnten, durften, oder zum Schutz der eigenen Familie, nicht wollten.
Weiter erwähnte Evangelist Lohrmann, dass es wichtig sei sich in solchen Situationen, in denen man sich fragt, ob man als Teil einer Gruppe überhaupt noch das Richtige tue, immer an Jesus Christus und seinen Werten zu orientieren, um rechtens zu handeln.
Nach einem gemeinsamen Gebet endete dieser besondere und vor allem auch emotionale Tag mit einem gemeinsamen Essen im Foyer.

Text: Kevin Mosterts – Fotos: Manuel Szepoks