Gemeinde mit Zukunft

Am Freitag, 29. April 2022, durfte die Gemeinde Lünen mit ihrem Format „Gespräch im Foyer“ Gastgeber für eine Podiumsdiskussion zum Thema „Bausteine einer lebendigen Kirche – Gemeinden mit Zukunft“ sein.

Im Rahmen des Jubiläums „125 Jahre Neuapostolische Kirche – Kirchenbezirk Dortmund“ finden seit dem Jahr 2021 unterschiedliche Aktivitäten statt – Festgottesdienste, Sternwanderungen oder eben eine Podiumsdiskussion.

Vorsteher Jörg Lohrmann konnte an dem Abend den Moderator Jörg Töpfer, fünf Teilnehmer auf dem Podium sowie drei Dutzend Teilnehmer im Publikum und weit über 100 Teilnehmer per Video- und Telefonübertragung begrüßen.

Nach einem eröffnenden Gebet durch Apostel Zisowski fasste der Gastgeber die Einführung in das Thema zusammen: „Es geht heute um die Gemeinde mit Zukunft – denn die Gemeinde der Zukunft kann nur die sein, die heute eine Zukunft hat.“

Eingangs stellte Jörg Töpfer die Podiumsgäste vor: (vlnr) Marko Braun, Lehrer, Priester und Dirigent in der Gemeinde Lünen; Astrid Grolms, Controllerin, Religionslehrerin in der Gemeinde Lünen; Thorsten Zisowski, Geschäftsführer eines Entsorgungsunternehmens, Apostel in der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland; Gerald Rockenfelder, Lehrer an einer Förderschule, Vorsteher der Gemeinde Aplerbeck und aktiv in der Gruppe der Handicapped; Eberhard Dodt, Verwaltungsleiter der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, Vorsteher des Bezirks Dortmund

Zunächst war Apostel Zisowski gebeten, einmal den Bezirk Dortmund aus seiner Sicht zu beschreiben und ein Statement zur Vereinbarkeit von Beruf, Kirche und Familie zu geben. Er fasste launig zusammen: Dortmund ist ein Bezirk mit großer Tradition und ansonsten nicht viel anders als Gelsenkirchen. – Es geht nur mit Toleranz in der Familie und Gottes Hilfe.

Wie gehen wir mit den Aufgaben in der Gemeinde um? Finden wir noch Amtsträger?
Eberhard Dodt berichtete, dass er eine „realistische Zuversicht“ pflegt. Der Bezirksvorsteher führte aus: „Zwar gab es früher mehr Amtsträger aber heute können viel mehr Aufgaben auch in der Gemeinde wahrgenommen werden.“
„Als ich gefragt wurde, war ich gerne dabei. Ohne gefragt zu werden, hätte ich meine Hilfe nicht angeboten.“, fügte Astrid Grolms an und der Apostel ermunterte: „Bietet Eure Mitarbeit gerne an.“
„Wenn ich meine Hilfe anbiete, entlaste ich jemand anderen. Es kann dadurch besser werden.“ verlängerte Marko Braun und Gerald Rockenfelder stellte fest, dass die Integration der Mitglieder, welche neu in die Gemeinde wechseln, wichtig sei.

Gemeinde heute – praktisch, individuell, ökumenisch
In der Corona-Zeit war Astrid Grolms im Home-Office. Irgendwann hat sie mal in die Religionsgruppe gefragt, ob eventuell jemand Hilfe in der Zeit des Home-Schoolings benötige. „Es hat ein halbes Jahr gedauert, aber dann kam die Resonanz und ich konnte helfen.“
Sie berichtete weiter, dass sich mit einem Religionsschüler ein so vertrauensvolles Verhältnis entwickelte, dass der Vorsteher sie gebeten habe, als Lehrkraft mit dem Schüler zusammen in der Unterrichtsform, vom Religions- zum Konfirmandenunterricht, zu wechseln. „Wenn das in die Gemeinde passt, ist das doch eine gute Idee“ fasste Jörg Töpfer moderierend zusammen.
Gerald Rockenfelder beschrieb, dass die Ökumene vor Ort helfe, die Sorgen der Christen zu teilen. So berichtete er über die gemeinsam geleistete persönliche Seelsorge in Pflegeeinrichtungen. Auf die Frage, wie denn Ökumene in der Gemeinde ankomme, schmunzelte er: „Es funkt immer dann, wenn persönliche Begegnungen stattfinden.“
Apostel Zisowski berichtete aus dem eigenen Erleben diesbezüglich. „In der versöhnten Verschiedenheit können gemeinsame Gottesdienste auch unsere Gemeinden beleben.“
Später knüpfte Marko Braun daran an uns fasste zusammen: „Mittlerweile können wir in der Gemeinde adressatengerechter musizieren und das wird als passend empfunden. Als der Chor nach Corona wieder singen durfte, waren die Sängerinnen und Sänger wieder da.“ Über den Tellerrand blickend ergänzte er, dass ein Konzert in der ökumenischen Zusammenarbeit helfe, die Belastung zu steuern und das Gemeinschaftsgefühl unter Mitchristen zu steigern.

Fabian Niroschnik, Student und in der Jugend aktiv, stellte in einem „Seitengespräch“ fest, dass nach Corona die Jugend neu aktiviert werden wolle und wie wichtig auch hier die Integration der „Neuen“ sei. „Offen sein, heißt das Geheimnis.“ Auf die Frage, was ihm an der Gemeinde gefalle, antwortete er, dass er nach langer Abstinenz nicht zurückgekommen sei, um Karten zu spielen. Das Kernelement Evangelium, ansprechende Gottesdienste und Ansprechpartner für Fragen des Lebens zu haben – das war ihm wichtig.

Karolin Ballmeier, psychologischer Dienst, berichtete von ihrer Arbeit im Krankenhaus. „Den Patienten, die einer Gemeinde angehören, geht es besser. Hoffnung und Vertrauen bringen mehr mobilisierbare Ressourcen mit. Hierbei zählen der Glaube und der Halt in und aus der Gemeinde.“

Michael Becker, Industrieelektroniker, erzählte davon, dass die Trennung von seiner Lebensgefährtin vor 25 Jahren auch zur Trennung von der Gemeinde geführt habe. Der Glauben geriet in den Hintergrund. Doch der Tod des Bruders habe dann vor vier Jahren den Glauben wieder in den Vordergrund gehoben. „Der Weg zurück in die Gemeinde sowie die Auf- und Annahme in der Gemeinde waren völlig unproblematisch.“
Jörg Töpfer stellte ihm die Frage, was sich denn aus seiner Sicht geändert hätte. „Die Predigten sind anders als früher, sie sind offen. Die Kirche ist offener geworden. Der Bezug zum Alltag ist in und aus der Predigt leichter mitzunehmen.“

Die Gemeinde mit Zukunft…
… ist eine Gemeinde, die ihre Lebendigkeit aus der Vielfalt zieht. Sie wird getragen von Aktivitäten und geistlichem Grund. (Eberhard Dodt)
… ist eine Gemeinde, die mit den Mitchristen kooperiert und in der sich jeder verantwortlich fühlt. (Gerald Rockenfelder)
… ist eine Gemeinde, die Seelsorge untereinander pflegt und Hilfe anbietet. (Thorsten Zisowski)
… ist eine Gemeinde, in der Fragende Antworten für ihr ewiges wie alltägliches Leben finden. (Astrid Grolms)
… ist eine Gemeinde, die sich traut. (Marko Braun)

„In der Gemeinde tun, wie es für die Gemeinde gut ist. Die Kirche wird Vorgaben machen, was in der Gemeinde getan wird. In der Gemeinde muss das „wie“ individuell für die Gemeinde angepasst werden, so dass wir das Individuum mitnehmen können.“ schloss Jörg Lohrmann als Gastgeber.

Text: Redaktion    Bilder: Günter Lohsträter